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Honigbienen vs Wildbienen

Als Imker wird man in letzter Zeit häufig damit konfrontiert, dass man ein Naturzerstörer und kein Naturschützer sei. Zuletzt ist mir dies bei der Standortsuche passiert, da sich die Verantwortlichen der Stadt dem “Wildbienen First Mantra” verschrieben haben. Da ich ähnliches von vielen befreundeten Imkern höre, habe ich mich auf die Suche nach Fakten zum Zusammenleben von Wildbienen und Honigbienen begeben.

Was wird uns Imkern überhaupt vorgeworfen?

Googelt man die Vorwürfe und schaut sich die Aussagen der Imkerfeinde an, geht es hauptsächlich um folgende Punkte

  • Honigbienen nehmen den Wildbienen die Blüten weg
  • Wildbienen sind die besseren Bestäuber und sollten deshalb bevorzugt behandelt werden
  • Da Wildbienen vom Aussterben bedroht sind, soll die Imkerei eingeschränkt werden

Die Vorwürfe werden teilweise mit einem Bericht von Ronald Burger belegt, wobei ich vermute, dass die wenigsten diesen wirklich gelesen haben. Für die Alltagsdebatte hat es mir geholfen, die Gegenargumente für die Vorwürfe zu recherchieren, dabei hilft insbesondere das Wildbienen-Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V.

Warum Honigbienen den Wildbienen nicht die Blüten wegnehmen

Es gibt durchaus Studien die zeigen, dass die Präsenz von Honigbienen einen Einfluss auf Wildbienen hat. Dieser Einfluss ist aber meist kurzfristig und entspricht, nach aktuellem Forschungsstand,keiner langfristigen Konkurrenzsituation.In jedem Fall ist bekannt, dass sich das Sammel- und Aktivitätsverhalten von vielen Wildbienenarten stark von Honigbienen unterscheidet, was dafür spricht, dass sie nicht in direkter Konkurrenz zueinander stehen.

Am wichtigsten ist, dass das nachgewiesene Probleme der Wildbienen der Mangel an Brutplätzen ist. Da Honigbienen dafür Ihre Stöcke haben, gibt es weder einen direkten noch indirekten Zusammenhang zur Nahrungs- und Blütenkonkurrenz.

Warum Wildbienen nicht die besseren Bestäuber sind?

In dem Bericht von Burger, wird erklärt, dass Wildbienen u.a. durch ihre gleichzeitige Aufnahme von Nektar und Pollen die effektiveren Bestäuber sind. Diese biologische Eigenschaft wird dann oft benutzt um zu argumentieren, dass man sich auf Wildbienen fokussieren sollte, da sie die besseren Bestäuber sind. Der Fehler ist allerdings, dass man mit dem Fokus auf eine Art das Problem nicht lösen kann. Tatsächlich sind Wildbienen zwar für die Fruchtbildung unverzichtbar, durch das unterschiedliche Sammel- und Aktivitätsverhalten sind sowohl Honig- als auch Wildbienen für die Bestäubung sehr relevant. Die Unverzichtbarkeit von Honigbienen wird auch in folgender Studie von belegt.

Hervorzuheben ist hier, dass nur durch eine gemeinsame Bestäubung von Honig- und Wildbienen eine gute Fruchtbildung und ein widerstandsfähiges Agrarökosystem entstehen kann.


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Soll die Imkerei eingeschränkt werden um das Wildbienen sterben zu stoppen?

Wie zuvor beschrieben, liegt das Hauptproblem der Wildbienen an fehlenden Nistplätzen. Dies hat keinen Zusammenhang zu der Präsenz von Imkern, sondern eher mit anderen menschlichen Einflüssen. Hinzu kommt, dass weitere nachgewiesene Problemfaktoren die Überdüngung, der Einsatz von Insektiziden und der Klimawandel sind. Dies sind alles vom Menschen beeinflusste Faktoren, aber eben nicht imkereibedingt.

Deshalb macht es keinen Sinn, die Imkerei einzuschränken. Erste Erfahrungswerte aus den Niederlanden zeigen ebenfalls, dass das Fernhalten von Bienenvölkern keinen positiven Einfluss auf die Wildbienen Population hatte.


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